05 Apr. GESTERN WAR STILLE, HEUTE IST JUBEL
Die Frauen sagen es den Männern
„Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“
Am Ostermorgen kommt Jubel auf: im strahlenden Licht, in der festlichen Musik, in der zum Leben aufbrechenden Natur und in den Texten der Liturgie.
Das Grab ist leer. Der Herr ist wahrhaft auferstanden.
Eine Botschaft breitet sich aus, die die Welt verändern wird – und unser Leben auch.
Das Drama vom Leiden und Sterben unseres Herrn endet nicht mit dem Tod am Kreuz.
Der Auferstandene durchbricht die Schranke des Todes – auch für uns.
Am Ende unseres Lebens – so dürfen wir nun gewiss sein – steht nicht das Scheitern.
Unsere Perspektive hat sich fundamental verändert.
Nichts von dem, was wir gelebt haben, geht verloren. Alles ist aufgehoben.
Gestern war Stille, heute ist Jubel.
Die ersten, die jubeln, sind die Frauen.
Sie sind früh am Grab und erfahren: das Grab ist leer.
Sie sagen es den Männern. Die bleiben skeptisch, bevor sie es nicht mit eigenen Augen gesehen haben.
Aber der Reihe nach:
Im Evangelium der Osternacht haben wir gehört:
„Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salomé wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben.“
So steht es beim Evangelisten Markus.
Weiter heisst es, sie seien in aller Frühe am ersten Tag der Woche unterwegs gewesen und sie hatten Sorge, den Stein nicht vom Eingang des Grabes wegwälzen zu können.
Der ist aber schon weg, als sie kommen. Und dann wird ihnen gesagt: „Erschreckt nicht. … Er ist auferstanden. …“ – Was für eine Szene. Das ist eine durch und durch umwälzende Nachricht. Diese Botschaft an die Frauen – ja, tatsächlich zuerst an die Frauen – wird die Welt verändern – und unser Leben auch.
Wieso eigentlich?
Weil nun klar wird: Jesus von Nazareth ist nicht gescheitert mit seinem so ganz anderen Zugang zum Leben, zum Menschen und zu den bestehenden Ordnungen. Er will keinen Bruch mit der bisherigen Ordnung; aber er will einen anderen Geist im Umgang mit den bestehenden Ordnungen. Er will den Respekt vor jedem Menschen. Er will Barmherzigkeit als einen Schlüssel für unser Miteinander. Er will Solidarität mit den Hungernden und Dürstenden, mit den Betrogenen und Verlassenen, mit den unsichtbar gewordenen Menschen, deren Verzweiflung niemand wahrnimmt.
Vor allem: sein Leben, seine Botschaft und Auferstehung – das ist auch das Ende der Abhängigkeit des Menschen von den Göttern. Es ist Schluss mit angsterfüllter Religion, die Menschen ständig in die Sorge versetzt, es den Göttern nicht recht zu machen.
Der Mensch ist befreit zu einer Beziehung mit Gott, der die Freiheit des Menschen will und anerkennt.
Es ist wirklich ein Tag zum Jubeln!
Den Frauen am Grab wird gesagt:
„Nun aber geht und sagt den Jüngern und dem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.“ Jesus geht vom Zentrum Jerusalem an die Peripherie Galiläa, von woher er auch kommt. An den Peripherien unseres Lebens und der Gesellschaft werden wir kundiger und sensibler als in den Zentren, manchmal auch aus Verzweiflung.
So war das an diesem Ostermorgen:
der Erste am Grab war nicht Petrus,
es waren auch nicht die Jünger.
Es waren die Frauen.
Und sie sagen es den Männern, auch dem Petrus.
Das sollten wir auch nach Ostern immer mal wieder in Erinnerung rufen.
So hat die Sache mit dem Christentum angefangen.
Es waren die Frauen, die sich an das Grab trauten und sich um Jesus kümmern wollten.
Es waren die Frauen, die es den Männern – auch Petrus – gesagt haben.
Grossartig ist das und Grund für das Selbstbewusstsein von Frauen in der Kirche heute.