27 Feb. Hertie-Notizen Februar 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
was ist nur los, frage ich mich immer häufiger, wenn ich Kommentare zu Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften lese und Reaktionen auf Beiträge in den Social-Media-Kanälen sehe. Wieviel Zorn, Hass und Verachtung werden da deutlich und wieviel Unwille und Unvermögen, andere Meinungen als die eigene gelten zu lassen. Es gibt dann nur noch schwarz oder weiss, gut oder böse, Schuld haben immer die Anderen, meistens die vermeintlich Fremden. Es wird eine eigene Welt sichtbar, die in unserem Alltag ansonsten kaum eine Rolle spielt. Oder vielleicht doch? Machen wir uns nichts vor: All die Aggressivität, die da sichtbar wird, überträgt sich auch in unseren gesellschaftlichen Alltag, in politische Debatten, in Angriffe auf Personen des öffentlichen Lebens. Manche haben für sich entschieden, nicht in die Kommunalpolitik zu gehen, weil sie sich vor Angriffen auf ihre Familien fürchten. Von Anfeindungen sind immer mehr Menschen betroffen.
Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung hat früh eine Gruppe junger Menschen identifiziert, die mit vielen Vorurteilen zu kämpfen hat und oftmals gebremst wird, weil ein Migrationshintergrund zum Hindernis wird. START wurde vor fast 25 Jahren gegründet, um Kinder und Jugendliche mit einem Migrationshintergrund zu begleiten und ihnen zu helfen, ihre Talente zu entfalten. Eine große Alumni Community zeigt heute viele großartige, erfolgreiche und engagierte Menschen. Umso trauriger sind die Erfahrungen, die START auch in diesen Tagen machen muss – z.B. mit rassistischen Anfeindungen auf die aktuelle Stipendien-Ausschreibung. In unseren Programmen wird der Umgang mit Hasskommentaren immer bedeutsamer, beim Business Council for Democracy ebenso wie bei Jugend debattiert und bei geförderten Projekten gegen Rassismus und Antisemitismus.
Besonders begrüße ich in diesem Zusammenhang die erste Stipendiatin und den ersten Stipendiaten des Silvia-Tennenbaum-Stipendiums der Hertie-Stiftung. Auf je eigene Weise werden sie sich künstlerisch mit dem Themenfeld Antisemitismus und Erinnerungskultur auseinandersetzen und dabei neue Perspektiven eröffnen. Ihre Arbeiten geben wichtige Impulse – sowohl für die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit als auch für die aktuellen Debatten, die unsere Gesellschaft prägen. Auf die Gespräche mit ihnen und auf ihre Projekte freuen wir uns sehr.
Die Konzentration der Stiftung auf die Förderung von Neurowissenschaften und Wissenschaftskommunikation, auf Demokratieresilienz und die Forschung und Lehre zu gutem Regieren und der Handlungsfähigkeit des Staates ist ein Ansporn, uns immer neu auf die Suche nach Impulsen und Initiativen zu machen, mit denen Biografien gestärkt und Menschen ermutigt werden, Leidenschaft für Demokratie und Mut gegen die vielen Formen von Rassismus und Menschenverachtung zu zeigen.
Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre der neuen Ausgabe der Hertie-Notizen und grüße Sie herzlich.
Ihre Annette Schavan
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Interview
„Ich habe die Straßenseite gewechselt, wenn ich Menschen mit dunkler Hautfarbe gesehen habe“
Mo Asumang über Dialog statt Hass
mitMiSsion
Boxweltmeisterin startet Boxkurs für Menschen mit MS
Nach dem erfolgreichen Auftakt des Parkinson-Boxens ist in Hamburg der bundesweit erste Boxkurs für Menschen mit Multipler Sklerose an den Start gegangen. Geleitet wird der Kurs von Boxweltmeisterin Dilar Kisikyol, die ein spezielles Training entwickelt hat, das Kraft, Beweglichkeit und Koordination der Betroffenen verbessern soll. Die Hertie-Stiftung fördert das Projekt im Rahmen der Initiative mitMiSsion, der NDR war mit einem TV-Team beim Boxtraining dabei.
Jugend debattiert
Podcast Streitcafé: Journalismus neu denken
Wie können Medien unsere Streitkultur positiv beeinflussen? In der digitalen Medienöffentlichkeit gilt oft: je schriller, desto erfolgreicher. Dabei sollten Medien in einer Demokratie ausgewogen informieren und zur Meinungsbildung beitragen. Wie konstruktiver Journalismus heute aussehen kann und welche Impulse er für eine bessere Debattenkultur setzt, darüber spricht Jugend‑debattiert‑Leiter Dr. Jan‑Jonathan Bock mit Ellen Heinrichs, Gründerin des Bonn Institute.
Neuroblog Hirn und Weg
Von Babys und Melodien unserer Sprache
Beruf:Politik
Workshop „U30 und Politik“
Du bist unter 30 und spielst mit dem Gedanken, in die Politik zu gehen – weißt aber nicht, wo du anfangen sollst, was dich konkret erwartet und ob Politik wirklich etwas für dich ist? Dann ist unser Workshop „U30 und Politik“ genau das Richtige für dich. Vom 26.-28. März bekommst du Einblicke in den politischen Alltag, triffst Praktiker und Expertinnen und entwickelst aus einer Idee einen konkreten Plan. Bewerbungsschluss ist der 25. Februar 2026.