09 Nov. Kluge Investitionen.
Kluge Investitionen in F & E – gerade jetzt!
Die Debatten der letzten Tage verheißen nichts Gutes für die Forschungspolitik in Deutschland. Öffentlich gerungen wird um Sozialleistungen und Wirtschaftssubventionen. Über Investitionen in Forschung und Entwicklung ist keine Silbe zu hören. Das kann ja wohl nicht unser Ernst sein!
Die Legislaturperiode war bereits in den beiden Jahren seit der Regierungsbildung für die Bildungs- und Forschungspolitik bitter.
Wann hat es in den vergangenen 20 Jahren umfassende Kürzungen gegeben? Es gab aus gutem Grund seit 2006 einen deutlichen Aufwuchs des BMBF-Etats. Will sich die Fortschrittskoalition davon nun verabschieden? Wie ist zu erklären, dass diese Koalition und insbesondere der Bundesfinanzminister die Bundesforschungsministerin derart im Regen stehen läßt? Das nun entstandene Haushaltschaos könnte den Abwärtstrend befördern. Wieso wird die zentrale Ressource unseres Landes derart ignoriert: die Förderung von Talenten, von Bildung, und Forschung?
Enkelgerecht, nachhaltig und zukunftsfähig soll Politik sein. Das wird in jeder relevanten politischen Rede gesagt – quer durch die Parteien. Wenn das ernst gemeint ist, dann muss Politik sich um die Quellen des künftigen Wohlstands kümmern. Die finden wir in Schulen und Hochschulen, in den Zentren der Forschung und Innovation!
Der andere Satz, den wir andauernd hören, ist der von den diversen Prozessen der Transformation. Dazu gehört eine immense innovative Kraftanstrengung in jedem einzelnen Prozess. Richtig ist, dass es auch den globalen Wettbewerb um Subventionen gibt. Ebenso richtig und wichtiger aber ist, dass gerade jetzt zentrale Forschungsfelder gestärkt und ausgebaut werden müssen, die weitere Internationalisierung des Forschungsstandortes Deutschland vorangetrieben werden muss und die Finanzierung der Hochschulen einen neuen Impuls braucht, der über den Hochschulpakt hinausgeht – um nur drei zentrale Themen zu nennen.
Was sind kluge Investitionen in Forschung und Entwicklung?
- Die dynamische Weiterentwicklung der Gesundheitsforschung ist eine kluge Investition. Das Berlin Institute of Health und die Deutschen Gesundheitsforschungszentren gehören zur internationalen Spitzengruppe in der Forschung. Sie sind attraktiv für internationale Spitzenforscher:innen. Sie gehören zu den Motoren in der Forschung weltweit. Sie müssen sich weiterentwickeln können: finanziell, strukturell und als Innovationstreiber in der Medizin. Eine vergleichbare Investition und strukturelle Entwicklung wäre klug in der Energieforschung.
- Klug ist auch, weitere strukturelle Entwicklungen auf den Weg zu bringen. Das Karlsruher Institut für Technologie ist ein erfolgreicher Pionier. Wo Bund und Länder zusammenarbeiten und gemeinsam investieren, können weitere Verbindungen zwischen universitärer und ausseruniversitärer Forschung geschaffen werden, die ein hohes Innovationspotential und internationale Anziehungskraft haben.
- Die weitere Internationalisierung des Forschungsstandortes ist klug und notwendig. Eine Charta der Internationalisierung von Forschung und Innovation kann wichtige Impulse für die Dekade bis 2035 setzen. Die grösste Volkswirtschaft Europas muss in der Lage sein, mit den wichtigsten Forschungsstandorten der Welt zu kommunizieren und zu kooperieren. Deutschland wird ernst genommen und kann deshalb eine wichtige Rolle übernehmen, damit Bildung, Forschung und Innovation auf der internationalen Agenda einen höheren Stellenwert bekommt. Das ist schwerlich möglich, wenn die Investitionen in Deutschland für F & E in einen Abwärtstrend geraten.
- Klug ist ein Bürokratieabbau auch in der Wissenschaftsverwaltung, der Ressourcen freisetzt. Klug ist steuerliche Forschungsförderung statt immer neuer Forschungsprogramme. Klug wäre, die Frage zu beantworten, wie die immer geringer werdende Grundfinanzierung der Hochschulen durch die Länder gestoppt werden kann und vermieden wird, dass in absehbarer Zeit manches Land in Deutschland seine Hochschulen nicht mehr finanzieren kann.
- Klug ist, die Grundlagenforschung nicht klein zu reden und den Pakt für Forschung und Innovation verlässlich zu entwickeln statt von „fetten Miezen“ zu reden. Wer mehr Anwendung will, muss grundlegende wissenschaftliche Erkenntnis fördern.
- Angesichts der aktuellen Ereignisse: mit Israel verbindet uns eine jahrzehntelange, vertrauensvolle und attraktive Partnerschaft in Wissenschaft und Forschung. Jetzt sollten wir fragen, was für die Universitäten in Israel wichtig ist und Vorreiter für eine internationale Solidaritätsinitiative mit der Wissenschaft in Israel sein. Auch die Ukraine braucht nicht nur Waffen. Haben wir einen Überblick über die Lage der Wissenschaft dort?
- Jetzt ist auch der richtige Moment, die vielen Forschungsprogramme in allen Ministerien auf den Prüfstand zu stellen. Mehrere vergebliche Anläufe gab es schon. Klug wäre, wenn es jetzt klappen würde, die Ressortforschung zu konzentrieren und in das BMBF zu geben. Das wäre keine Sparmaßnahme, aber die Chance zu einem stimmigen Konzept der Forschungspolitik in der Bundesregierung.
- Schließlich: Deutschland verliert gerade Chinakompetenz und auch Kompetenzen im Blick auf andere Regionen der Welt. Das muss korrigiert werden. Es wird in Zukunft mehr Politikberatung in internationalen Fragen brauchen als je zuvor. Es wird übrigens auch mehr Erkenntnisse und Erfahrungen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften brauchen als je zuvor. Ansonsten werden die Prozesse der Transformation zur Technokratie, die unverstanden bleibt und Gesellschaften in Unruhe versetzt.
Das sind einige Beispiele ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Es sind Beispiele, die allerdings zeigen, dass auch in krisenhaften Zeiten und einem Haushaltschaos eine kluge Botschaft ist, dass Deutschland nicht seine wichtigste Ressource und die Quellen des künftigen Wohlstands ignoriert.
Beitrag zuerst erschienen bei Research.Table