28 Nov. Hertie-Notizen November 2025
Liebe Leserinnen und Leser,
Europa begleitet mich seit vielen Jahren – politisch, diplomatisch und persönlich. Die Erfahrungen aus meinen unterschiedlichen Aufgaben haben mir gezeigt, wie sehr Vertrauen, Austausch und das Bewusstsein für unsere gemeinsame Geschichte Beziehungen prägen. Gerade deshalb verfolge ich mit besonderer Aufmerksamkeit, wie Europa in diesen Monaten wieder stärker in den Mittelpunkt öffentlicher Debatten rückt. Die geopolitischen Spannungen, die Herausforderungen für unsere Demokratien und die Frage nach Europas Handlungsfähigkeit machen deutlich, wie wichtig es ist, Räume des Dialogs zu schaffen und den europäischen Zusammenhalt zu stärken.
Mit unseren neuen Europa-Salons beginnen wir eine Reihe öffentlicher Gespräche über die Frage, was europäische Identität heute ausmacht. In diesem Monat sind wir mit einem ersten Expertenworkshop gestartet, der den Auftakt für weitere Veranstaltungen im kommenden Jahr bildet. Die Reihe soll Debatten anstoßen, Perspektiven zusammenbringen und das Bewusstsein für die europäischen Werte und Erfahrungen schärfen, die uns verbinden.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet das geplante Weimarer Kolleg, das junge Führungskräfte aus Deutschland, Frankreich und Polen in den Austausch bringen soll. Ziel ist es, einen Beitrag dazu zu leisten, dass das Weimarer Dreieck wieder stärker als Motor für europäische Demokratie wirken kann. Die konzeptionelle Arbeit läuft – und wir werden Sie in den kommenden Monaten weiter informieren.
Gleichzeitig setzen wir auf Kontinuität: Formate wie Jugend debattiert Europa, die Young European Security Conference oder der Austausch im Club of Three zeigen seit Jahren, wie grenzüberschreitende Verständigung gelingt und wie wichtig eine starke europäische Öffentlichkeit für die Zukunft unseres Kontinents ist.
Europa lebt vom Gespräch – und davon, dass Bürgerinnen und Bürger bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Dazu möchten wir als Stiftung einen Beitrag leisten.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und grüße Sie herzlich.
Ihre Annette Schavan
Interview
„Reizflut kann Hirnstrukturen verändern“
Prof. Dr. Marek Bajbouj über die gesundheitlichen Risiken durch Reizüberflutung
Interview lesen
Hertie-Institut für klinische Hirnforschung
Prof. Holger Lerche übernimmt Vorstandsvorsitz am HIH
Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tübingen hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden: Prof. Holger Lerche übernimmt die Leitung und folgt damit auf Prof. Thomas Gasser, der das Amt viele Jahre mit großem Engagement geprägt hat. Prof. Lerche ist ein international renommierter Neurologe und Epilepsieforscher sowie Leiter der Abteilung „Neurologie und Epileptologie“ am HIH. Wir danken Prof. Gasser für seine Verdienste und wünschen Prof. Lerche einen erfolgreichen Start in seiner neuen Funktion!
Europäische Identität
Neue Salon-Reihe zur europäischen Identität
Was bedeutet europäische Identität und wie lässt sie sich stärken? Diesen Fragen widmet sich die neuen Veranstaltungsreihe „Wir Europäer“. Ab Frühjahr 2026 laden wir in fünf Städten einmal pro Quartal zu öffentlichen Podiumsdiskussionen ein. Unter der Moderation der Schriftstellerin und Publizistin Nora Bossong diskutieren prominente Gäste aus Politik, Wissenschaft und Kultur unterschiedliche Perspektiven auf europäische Identität. Jugendliche entwickeln zuvor in Workshops eigene Sichtweisen und stellen sie am Abend vor. Der Auftakt findet am 19. März 2026 in Augsburg statt.
Videoreihe Dr. Mondino
Dr. Mondino unter Strom – oder doch ADHS?
Dr. Mondino ist ständig abgelenkt – ist er einfach nur zerstreut oder steckt vielleicht ADHS dahinter? Ein Befund, der sich gar nicht so einfach diagnostizieren lässt und oft unerkannt bleibt, besonders bei Frauen und Mädchen, bei denen die Symptome häufig anders ausgeprägt sind. Unser neuer Film mit Dr. Mondino erklärt, was im Gehirn passiert, wenn man ADHS hat und wie der Botenstoff Dopamin damit zusammenhängt.
Preis für Migrationsforschung
Dr. Valentin Feneberg als Preisträger gekürt
Dr. Valentin Feneberg ist der diesjährige Preisträger des Klaus J. Bade-Preises. Der Preis wird von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung in Kooperation mit dem Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) verliehen und zeichnet herausragende wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Migrations- und Integrationsforschung aus. Mit 7.500 Euro dotiert, richtet sich die Auszeichnung an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die ihre Promotion innerhalb der vergangenen fünf Jahre abgeschlossen haben.
Alte Oper Frankfurt
KI für den perfekten Klang im Konzertsaal
Jugend debattiert
Podcast Streitcafé: Nahost in der Schule
Wie spricht man über Israel und Palästina in deutschen Klassenzimmern? Shai Hoffmann und Nadine Migesel machen es vor: Mit ihrem Projekt „Trialoge“ gehen sie gemeinsam in Schulklassen und ermöglichen dort multiperspektivische Diskussionen über den polarisierenden Nahostkonflikt. Im Gespräch mit Jugend debattiert-Leiter Dr. Jan-Jonathan Bock geben sie Einblick in ihre Arbeit und sprechen über die Herausforderungen der Gespräche in Schulen.
Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe
KI meets ALS
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) bedeutet für viele Betroffene den Verlust der Sprache – eine massive Einschränkung von Freiheit und Selbstbestimmung. Das Projekt „KI meets ALS“ von Jochen Schwarzmann und Dr. Jens Wehrmann bietet mit der Sari-App eine Lösung: Sie versteht Inhalte und schlägt Antworten vor, sodass Betroffene trotz Sprachverlust am Gespräch teilnehmen können. Für diesen Meilenstein in Sachen Teilhabe und Selbstbestimmung haben wir das Projekt mit dem Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe ausgezeichnet.