Eine gesegnete Weihnacht.

Erinnerungen:

1 Meine Erfahrungen stammen aus Kindheit und Jugend: unsere Pfarrgemeinde in Neuss ist nach den Hl. Dreikönigen benannt. So habe ich gelernt, dass die Weihnachtszeit am Abend des 24. Dezembers beginnt und weit in den Januar hineinreicht. Am 6. Januar war das Patrozinium der Kirche mit einem Festhochamt. Das war der Höhepunkt der Weihnachtszeit schlechthin. Das Fest Epiphanias ist für mich bis heute ein inspirierender Tag in der Weihnachtszeit – mit dieser grossen Botschaft (und den vielen Bildern dazu), dass die Mächtigen der Welt sich vor dem Kind in der Krippe verbeugen.

2 Bis zum Jahr 2018 habe ich jedes Weihnachtsfest in meinem Elternhaus in Neuss gefeiert. Immer war meine Aufgabe am Morgen des Heiligabends, den Baum zu schmücken. Aus dem Familientreffen am Heiligabend wurde in den letzten Jahren ein eher stiller Heiligabend mit meiner Mutter, die Geschwister und deren Familien kamen am 1. Weihnachtstag. Heute feiere ich die Weihnacht bei mir zuhause in Ulm. Es gibt auch da einen Christbaum, es kommen Freundinnen und Freunde und der Höhepunkt ist die Christmette. Verändert hat sich dies und das. Die Botschaft ist geblieben: „Fürchtet Euch nicht.“ Und geblieben ist, dass der 6. Januar mein besonderes Weihnachten ist und einer meiner Lieblingstage im Jahr.

3 Als Christin bin ich Teil einer weltweiten Gemeinschaft. Das ist eine Gemeinschaft des Glaubens und des Gebetes in so vielen verschiedenen Kulturen. Das ist für mich eine Stärke der Christenheit, kulturelle Vielfalt mit gemeinsamen Ritualen des Gebetes und der festlichen Gottesdienste zu verbinden. Die Welt ist gleichsam spürbar in den Gottesdiensten.

4 Die Weihnachtsbotschaft ist für mich Trost und Aufforderung, sie nicht auf ein bis zwei Tage zu beschränken. Sie ist gleichsam eine Ganzjahresbotschaft – ein Kind in der Krippe mischt die Welt auf; die Mächtigen verneigen sich vor diesem Kind. Es beginnt eine neue Zeit mit einer gänzlich neuen Sicht auf den Menschen: Jedem, wirklich jedem Menschen kommt eine ihm von Gott verliehene unveräußerliche Menschenwürde zu. Das ist revolutionär.
Der weihnachtliche Höhepunkt war für mich in Rom-Trastevere das festliche Weihnachtsessen in der Kirche Maria in Trastevere, zu dem die Laiengemeinschaft Sant’Egidio arme Menschen, auch gerade angekommene Flüchtlingsfamilien eingeladen hatte. Mitglieder des Diplomatischen Corps waren eingeladen, den Service zu übernehmen.
So tat ich es und war tief bewegt von den Begegnungen mit Menschen, die kurz zuvor in Italien angekommen waren, vor allem Müttern mit ihren Kindern. Ihre Kraft, ihre positive Ausstrahlung klingt bis heute in mir nach.
Kein Weihnachtsfest war für mich so intensiv und ist bis heute so tief in meiner Seele verankert.

(Beitrag der KNA, Weihnachten 2025)